Auf dem Bild ist eine junge Frau mit kurzen, zerzausten schwarzen Haaren und grünen Augen zu sehen, die im Vordergrund steht. Sie trägt eine braune Strickjacke mit bunten Streifen, darunter ein schlichtes helles Oberteil, und mehrere Ketten, darunter ein Medaillon. Auf ihrem Arm sind Tätowierungen zu erkennen. Im Hintergrund steht eine weitere Person mit langen Dreadlocks und komplexen Tätowierungen am Oberkörper. Sie trägt ein ärmelloses Oberteil und steht neben einem aufgeklappten Laptop. Der Raum wirkt gemütlich und im Hintergrund sind Bücherregale und Pflanzen zu sehen.

Kapitel 9 – Szene #26

Szene 26. Gemeinsame Stimme – Vorbereitungen für einen langersehnten Kongress

Ellis und Stigs Zuhause, ein Altbau im Süden von Köln, war an diesem Tag kaum wiederzuerkennen. Der sonst so ruhige Garten war erfüllt von Stimmen und Bewegung – das Haus war zum pulsierenden Zentrum der Bewegung geworden.

Im Inneren des Hauses war die allgemeine Anspannung spürbar. Im Wohnzimmer stapelten sich Materialien, während draußen im Garten der Infostand für den anstehenden Psychiatriekongress in Köln probeweise aufgebaut wurde.

Immer wieder öffnete sich die Tür zum Garten, eifrige Menschen eilten hinein und hinaus, während mehrere von ihnen sich um ein Dekorations- und Beleuchtungskonzept für den Infostand kümmerten. Im Haus waren die Ecken des Wohnzimmers mit Broschüren und Plakaten gefüllt, während an einer zentralen Wand die Projektion eines Beamers die Hauptaufmerksamkeit auf sich zog. Dort wurde eine Präsentation dargestellt, die die Kernbotschaften ihrer Bewegung erklärte.

Maja, deren Ethno-Kleidungsstil und Henna-Tattoos ihre alternativen Überzeugungen betonten, stand konzentriert vor dem Laptop, auf dem die Präsentation lief, und sagte: „Diese Botschaft muss bei meinem Vortrag ankommen. Klar und deutlich.“

Benjamin, der die weite Reise aus Berlin zusammen mit Runa und Vinoa unternommen hatte, brach die konzentrierte Stille. „Sollten wir wirklich dort auftreten? Nach all dem, was passiert ist? Was, wenn der Gegner uns genau dort erwartet, weil er glaubt, wir könnten brisante Informationen preisgeben?“

Ein ratloses Schweigen hüllte den Raum ein, schwer belastet von den Erinnerungen an den bedrohlichen Schatten, den die Ereignisse um den Pharmaskandal auf ihr Vorhaben warfen.

Elli, mit dunklen Rändern unter ihren dennoch lebendigen grünen Augen, sagte schließlich: „Ja, wir haben Angst. Doch die Menschen, für die wir hier stehen, haben keine Stimme. Also müssen wir sprechen.“

Timmek würde ebenfalls dort sein. – Der Gedanke wühlte etwas in Elli auf – Erinnerungen an ihr letztes Gespräch mit ihm, das mehr Fragen hinterlassen hatte als Antworten.
Unwillkürlich griff sie nach dem Amulett unter ihrer Strickjacke.

Es gab ihr trotzdem ein gutes Gefühl, dass Timmek auch auf dem Kongress anwesend sein würde. Sie fuhr fort: „Wir haben dort auch Verbündete. Timmek wird ebenfalls am Kongress teilnehmen. Er ist Teil des Organisationsteams und obwohl er nicht komplett hinter unseren Ansichten steht, erkennt er unsere Bewegung als wichtig an. Er hat sogar dafür gesorgt, dass bekannte Kritiker der Psychiatrie bei den Podiumsdiskussionen zu Wort kommen. Und das, obwohl die Psychopharmaka-Krise und die heutige Situation in der Psychiatrie in Deutschland oft unter den Tisch gekehrt werden.“

Lio, der sich bisher ein wenig im Hintergrund gehalten hatte, trat in die Mitte des Raumes und sagte: „Solange wir während dieser Veranstaltung die Drohung ernst nehmen und keine kleinsten Informationen über den Pharmaskandal preisgeben, kann uns nichts passieren. Ich denke, gerade dort sind wir sicher, unter unzähligen Menschen auf der Messe.“
Er machte eine Pause und blickte prüfend in die Runde. „Hört mal – wir haben seit Jahren auf diesen Moment gewartet, in dem wir als Teil eines großen internationalen Kongresses unsere Botschaft weitertragen können. Wir dürfen uns jetzt durch die aktuellen Ereignisse nicht davon abbringen lassen. Unsere Botschaft ist es wert, dass wir den Mut fassen, unsere Ängste zu überwinden!“, sagte er.

Ein allgemeines zustimmendes Murmeln und Nicken erfüllte den Raum.

Majas Finger tanzten kurz über die Tastatur, bevor sie den Laptop zuklappte. „In Ordnung, lasst uns diesen Infostand rocken! Zeigen wir ihnen, wofür wir wirklich stehen!“

Als die Nacht hereinbrach und die Sonne sich langsam über dem Rhein verabschiedete, fasste die Gruppe neuen Mut und vereinte ihre Kräfte – getragen von der leisen, aber wachsenden Gewissheit, dass ihre Stimmen gehört werden mussten.

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